Wie Eltern ihren Kindern bei Computersucht helfen können

Mediensucht stellt auch besonders für die Eltern eine große Belastung dar. Will man doch als Eltern nur das Beste für das eigene Kind, ist die Sorge, dass Tochter oder Sohn sich mit einem exzessiven Mediennutzungsverhalten die Zukunft verbaut riesig. Zuschauen zu müssen wie der geliebte Nachwuchs sich Stück für Stück kaputt macht und die Probleme in Schule und sozialem Umfeld immer größer wird schmerzt immens. Wenn dann noch gesundheitliche Probleme dazu kommen, wie bei Mediensucht häufig der Fall, ist das Ganze nicht mehr auszuhalten.

Nicht jede exzessive Phase der Mediennutzung im Jugendalter führt zwingend in die Medienabhängigkeit. Exzessive Phasen sind Bestandteil der meisten Entwicklungen. Möglicherweise erinnern Sie sich auch noch an eigene Phasen in Ihrer Jugend. Die Meisten kriegen irgendwann die Kurve, weil andere Dinge wichtiger werden. Die neue Arbeit macht Spaß und Karriereziele liefern reizvolle Herausforderungen. Plötzlich gibt es eine Partnerin, die es wert ist, ihr die gesamte Aufmerksamkeit zu schenken. Rausgehen und leben wird auf einmal als spannender empfunden, als im verdunkelten Raum vor dem Bildschirm zu sitzen. Schwierig ist natürlich, einschätzen zu können, wann das intensive Hobby eine Eigendynamik bekommt und damit problematischere Folgen zu befürchten sind. Reißerische und undifferenzierte Berichterstattungen über Mediensucht tragen zur Verunsicherung bei. Eine fundierte Suchtdiagnose wird erst gestellt, wenn mehrere Suchtkriterien über mindestens ein Jahr vorliegen. Mehr Infos dazu hier.

Jedes Verhalten hat Gründe und Ursachen. Und auch jede Sucht – und damit auch die Computersucht – hat Ursachen. Wenn Jugendliche die virtuelle Welt plötzlich als spannender empfinden, als das Leben da draußen, dann nicht ohne Grund. Und wenn man sich die Dynamik der Spiele anschaut, dann wird in vielen Fällen auch nachvollziehbar, warum das so ist.

Was können uns digitale Medien geben, was uns die Realität nicht in gleichem Maße geben kann?

  • Erfolge: Spiele sind so programmiert, dass man schnell das Gefühl bekommt, erfolgreich zu sein. Um in der Realität Erfolge feiern zu können, ist ungleich mehr Mühe, Frustrationstoleranz und Durchhaltevermögen gefragt. Aber egal wie groß die Mühe, in der Realität sind nie so viele Erfolge in kurzer Zeit zu verzeichnen wie im Spiel. Wir brauchen Herausforderungen um Motivation aufbringen zu können. Spiele bieten Herausforderungen, die mit vergleichsweise wenig Einsatz gelöst werden können.
  • Anerkennung: Endlich mal gesagt bekommen, dass man etwas kann. Sei es von Mitspielern oder dem Spiel selbst ist Zucker für unsere Seele. Ist unsere Gesellschaft stark an dem Motto „nicht geschimpft ist genug gelobt“ sehr auf das fixiert, was nicht gut läuft, fällt das positive Feedback nur allzu oft sehr mager aus. Im Spiel bekommt man permanent gesagt, dass man etwas gut gemacht hat. Nirgendwo anders kann man mit so wenig Aufwand so viel Resonanz erzeugen wie bei sozialen Netzwerken. Ein Satz oder ein Foto reicht aus und andere Menschen reagieren darauf. In der Realität braucht es lange und harte Arbeit bis andere Menschen die eigene Leistung bejubeln.
  • Sozialkontakte: Im Onlinespiel wie auch in sozialen Netzwerken kommt man sehr leicht in Kontakt. Auch Menschen die in der Realität Schwierigkeiten haben, Anschluss zu finden, können im Internet Kontakte knüpfen. Im Spiel sind die persönlichen Mängel nicht wichtig, solange jeder seine Aufgabe gut erfüllt. In sozialen Netzwerken kann man sich und sein Leben interessanter und fehlerfreier darstellen als man tatsächlich ist.
  • Aufmerksamkeit: Wahrgenommen zu werden ist für uns Menschen als soziale Wesen ein zentrales Bedürfnis. Gerade wenn in der Realität das Gefühl herrscht, dass die eigenen Fähigkeiten und Bedürfnisse nicht wahrgenommen werden, können Medien besonders reizvoll sein. Jede Messenger Nachricht aufs Smartphone und jede Reaktion auf eigene Beiträge in sozialen Netzwerken beweisen, dass jemand an mich denkt und dass es jemanden interessiert, was man tut, denkt oder toll findet.

 

Wichtig ist, als Eltern Interesse dafür zu zeigen, was das eigene Kind gerade bewegt, was ihm möglicherweise fehlt und auch was die besondere Faszination an den Medien für sie/ihn ausmacht. Mediennutzung wie soziale Netzwerke und Computerspiele als Zeitverschwendung abzutun und die Nutzung zu verbieten führt meist zur Verschlechterung des Kontakts. Eine konstruktive Auseinandersetzung wird dadurch erschwert.

Was also tun, wenn man sich Sorgen macht? Eine Auswahl an guten Tipps zur Medienerziehung finden Sie in der Linkliste.

Webcare bietet die deutschlandweit einmalige virtuelle Selbsthilfegruppe für Eltern. Ziel dieser Gruppe ist der Austausch über die Erfahrungen, Sorgen und Belastungen, die das Verhalten des Nachwuchses bei Eltern hinterlässt. Auch die gegenseitige Unterstützung ist zentraler Bestandteil. Für konkreten Beratungsbedarf kann an entsprechende Stellen weitervermittelt werden. Beratungsstellen in Hessen finden Sie hier (Link Beratungsstellen). Beratungsangebote in ganz Deutschland sind unter www.aktiv-gegen-mediensucht.de zu finden

 

Für Rückfragen zu und Anmeldung zum Projekt webcare kontaktieren Sie mich:

Patrick Durner - pd@hls-online.org